Kim war ein Gorillamänchen in einem Zoo, im dänischen Städtchen Hodsager. Er fürchtete den kalten Wind, der im Norden nur allzu oft über’s Land fegt. Er fürchtete auch all diese Menschen, welche ihn durch die Gitterstäbe seines Käfigs anstarrten. Einen Artgenossen hatte Kim nicht. Dafür war der Zoo wohl zu klein oder zu arm. So sass er tagaus tagein unter einem kleinen Vordach seines Winterhäuschens, um wenigstens vor diesem kalten, scharfen Nordwind, ein wenig Schutz zu finden.

Er hasste die Menschen. Die meisten freuten sich über seine Missgeschicke, die ihm auf seinem Kletterbaum passierten. Andere lachten, wenn er sein Gesicht verzog, weil ihm die Kälte ins Gesicht peitschte. Nur wenige hatten mal etwas zum fressen für Kim dabei. Und ein paar von diesen Menschen benutzten ihre Früchte nur, um Kim an das Käfiggitter zu locken. Kim hatte Angst vor den Menschen hinter dem Gitter. Nur bösartige Wesen konnten einem so anstarren. Und doch wagte er sich an das Gitter, wenn ihm jemand etwas essbares hinhielt. Er hatte ja sein Käfig zum Schutz vor der Aussenwelt. Einer Welt, die er nie kennen gelernt hatte.

Als Kim wieder einmal an das Gitter kam, um einen Apfel entgegenzunehmen, zog das Kind im letzten Moment den Apfel zurück, und zeigte dem Affen die Zunge. Kim wurde so wütend, dass er sich gegen die Gitterstäbe warf, und an ihnen herumtobte. Er erschrak, als die Gitterstäbe plötzlich seinem enormen Gewicht nachgaben. Mit ihnen krachte Kim an den Boden, direkt vor die Füsse der Menschen. Die einen rannten davon, andere blieben starr vor Schreck über den fast zwei Meter hohen Gorilla.

Kim war frei. Er konnte das Weite suchen. Weg von diesem verhassten Ort.

Doch er hatte zu grosse Angst. Er misste das Gitter, welches ihm immer Schutz vor den Menschen gab. So zog er sich wieder zurück, unter das Vordach. Geschützt vor Wind und Kälte wartete er, bis die Wärter den Schaden repariert hatten. Von diesem Tag an, traute Kim sich nicht mehr zu den Menschen. Auch nicht, wenn sie ihm Esswaren hinhielten.

P. F.